Die Medienwelt ist im Umbruch, aber was bedeutet das heute eigentlich für Redaktionen und Pressestellen? Ein ganz reales Szenario darüber, welche Schritte in Redaktionen auf einen Vorfall folgen und wie sie diese mit einem Newsroom bewältigen.

Newsroom: Die Nachrichten sind im Fluss

Die Medienwelt ist im Umbruch, aber was bedeutet das heute eigentlich für Redaktionen und Pressestellen? Ein ganz reales Szenario darüber, welche Schritte in Redaktionen auf einen Vorfall folgen und wie sie diese mit einem Newsroom bewältigen. 

Dieser Beitrag ist Teil unseres Corporate Newsroom Magazins, in dem wir viele Best Practices und Experten vorstellen.

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Ein ganz reales Szenario

Der Impuls kam wie so oft aus dem Netz: „Warum kreist hier überm Deutschen Eck ein Polizeihubschrauber?“ So lautete vor einiger Zeit die Frage eines Nutzers auf Twitter.

Und noch bevor der Lokalreporter bei der Polizei nachfragte, hatte der Social-Media-Redakteur bereits weitere Quellen auf Facebook und Twitter aufgetan, die darauf hindeuteten: Irgendwas war dort tatsächlich passiert.

Die Zahl der Retweets entsprechender Posts stieg, offenbar waren auch andere wegen des Hubschrauberlärms neugierig geworden. Der Lokalchef schickte einen Reporter raus, der meldete eine Viertelstunde später von seinem Handy aus im internen Slack-Kanal der Redaktion: „Frau in den Fluss gefallen, Mann sprang hinterher, hat sie an Land gezogen. Interviewe ihn gleich. Der braucht aber erstmal ein Handtuch.“

…währenddessen im Newsroom

Die Maschinerie im Newsroom war in vollem Gange: Ein Newsredakteur machte Minuten später daraus die erste Nachricht für die Webseite. Der Social-Media-Redakteur bettete das Video eines Augenzeugen auf Instagram ein. Der Fotograf sandte kurz darauf erste Aufnahmen vom Unfallort in das Redaktionssystem. Parallel veröffentlichte die Redaktion einen Artikel über den Vorfall in der WhatsApp-Gruppe für Leser.

Außerdem wurde die Meldung auf den Facebook-Kanälen, dem Eilmeldungs-Newsletter, Twitter, in den Push-Kanälen der Redaktions-Apps und in den Browser-Benachrichtigungen der Website eingebunden. Eine halbe Stunde nach der im Minutentakt erweiterten Eilmeldung erschien die erste Zusammenfassung des Vorfalls. Am Abend entstanden außerdem eine Reportage, ein Interview mit dem Retter und ein Hintergrundstück über die Gefahren des Rheins. Der Newsredakteur entwarf am Abend noch eine weitere Fassung für den Morgen-Newsletter, während die Grafikerin letzte Hand an die Texteinblendungen für das ausführliche Video auf Facebook anlegte.

Der Alltag zahlreicher Redaktionen

Solche Szenarien sind Alltag für viele Redaktionen. Sie betreffen zunehmend die einstigen Pressestellen in Unternehmen: Wenn der Aktienkurs einbricht, eine neue Niederlassung öffnet, der Trainer entlassen wird oder ein neues Produkt auf den Markt kommt.

Stets müssen unterschiedliche Medieninhalte erstellt und auf mehreren Kanälen ausgespielt werden. Reaktionen sind einzufangen, auszuwerten und aufzubereiten.

Ein Newsroom ermöglicht all das

Das erfordert eine reibungslose abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, in der alle Beteiligten dank ausgearbeiteter Prozesse genau wissen, was wann zu tun ist. Damit das in Notsituationen ebenso wie im Alltag klappt, etabliert sich auch in den Unternehmen immer mehr ein speziell darauf ausgelegtes Konzept: der Newsroom.

Der Newsroom ist mehr als nur ein Raum, in dem die Entscheider zusammensitzen. Er ist Struktur und eine Vereinbarung von Prozessen, Software und eine geregelte Zusammenkunft von Menschen.

Unternehmen können sich für ihren Newsroom klassische Redaktionen zum Vorbild nehmen und an ihre besonderen Bedürfnisse anpassen. Nicht jede Meldung benötigt ein Video oder eine Push-Benachrichtigung durch die App. Sorgfalt und Tempo sind mit den Ressourcen in Einklang zu bringen.


Sascha Böhr

Gründer und CEO der Social-Media-Agentur 247GRAD und von dirico.io. Experte für digitale Kommunikation und Corporate Newsrooms.

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