„Kreativität ist alles, was zählt“ – Recap zum Digital Marketing Day Koblenz (DMDKO) 2020

VR, AR, TikTok, Chatbots, Story-Formate und Künstliche Intelligenz – der Digital Marketing Day Koblenz (DMDKO) bediente alle heißen Themen, an denen im Jahr 2020 kein Marketer vorbeikommt. Rund 150 Teilnehmer fanden sich am 23. Januar in einer ganz besonderen Location zusammen, nämlich mitten auf einer Bowling-Bahn.

Die Marketing-Trends 2020

Thomas Berg (247GRAD) und Sascha Böhr (247GRAD, dirico.io); Foto: ©Henry Tornow

Bereits zum fünften Mal lud die Digitalagentur 247GRAD zu dieser Konferenz ein, die als Social Media Day startete und seit dem Jahr 2019 den Titel Digital Marketing Day Koblenz – kurz DMDKO – trägt. Den Auftakt bestritten Sascha Böhr, der 247GRAD vor zehn Jahren gründete, und Thomas Berg, sein Nachfolger auf dem Stuhl des Geschäftsführers. Sie stellten insgesamt 30 Themen vor, die das digitale Marketing im Jahr 2020 bestimmen werden.

Interaktion statt One-Way-Kommunikation

Dabei zeigte sich unter anderem, dass vor allem interaktiver Content zum Erfolg führen wird. Neue VR- und AR-Tools wie Spark AR oder Datenbanken wie Giphy stellen dabei wichtige Hilfsmittel für Unternehmen dar. Ein stärkerer Fokus auf User Generated Content und die Kooperation mit Nano Influencern, die über eine kleinere aber treue und aktive Fanbase verfügen, sorgen für mehr Engagement bei der eigenen Zielgruppe. Conversational Interfaces, Chatbots, Voice und WhatsApp Business sind die entscheidenden Schlagworte, wenn es um moderne Kundenkommunikation und ausgezeichneten Kundenservice geht.

Online-Handel im Wandel

Der E-Commerce könnte sich in naher Zukunft grundlegend verändern. Sascha Böhr stellte die berechtigte Frage: „Wofür braucht man in Zukunft noch einen Online-Shop, wenn der gesamte Entscheidungs-, Bestell- und Bezahlprozess über Social-Media-Plattformen wie Instagram abgewickelt kann?“

Tell us a story!

Eine weitere Entwicklung ist bereits in vollem Gange und wird sich 2020 verstärken: Stories werden immer beliebter und erhalten mehr Aufmerksamkeit als beispielsweise einzelne Fotos im Feed. Grundsätzlich gilt es, stärker in Bewegtbild und im Hochformat zu denken. Ende 2019 gab es einen ersten Eindruck davon, wohin die Reise gehen kann, als die DFL das erste Bundesligaspiel im 9:16-Format filmte.

„Warum denn digitalisieren? Funktioniert doch!“

Eine Anzeige im Stil der 1950er Jahre. Ein Buchhalter zwischen Aktenbergen. Und der dazugehörige Claim: „Wirtschaft fördern, aber nicht die Zettelwirtschaft!“ Dies war ein Element einer Kampagne, die 247GRAD für die Industrie- und Handelskammer Koblenz umgesetzt hat. Die IHK hatte das Ziel, ihre Informations- und Beratungsangebote im Bereich der Digitalisierung zu bewerben und sich gegenüber Unternehmen der Region als kompetenter Partner zu präsentieren.

Andy Eyring (247GRAD) und Stephanie Steinbach (IHK Koblenz); Foto: ©Henry Tornow

Stephanie Steinbach, Bereichsleitung Kommunikation und Marketing bei der IHK Koblenz, und Andy Eyring, Head of Marketing bei 247GRAD, stellten die Kampagne vor, die neben eher klassischen analogen und digitalen Kanälen beispielsweise auch mit Augmented-Reality-Postkarten und Facebook-3D-Grafiken experimentierte.

Das Fazit fiel mit einer kumulierten Link-Click-Through-Rate von 1,25 % und einer CTR von knapp 20 % zur Website der IHK sehr positiv aus. Wie das Ganze ausgesehen hat, lässt sich hier noch einmal nachlesen.

Ich weiß, was du am 25. Mai 2018 getan hast!

Niklas Plutte (Avalex); Foto: ©Henry Tornow

Zumindest wenn man mit einem Marketer spricht, dürfte diese Aussage zutreffen. Denn seit diesem Datum gilt die Datenschutz-Grundverordnung und keiner weiß seitdem so genau, ob das, was er tut, legal ist. Ein wenig Licht ins Dunkel brachte Niklas Plutte von Avalex. Der Rechtsanwalt konzentrierte sich vor allem auf die Themen Webanalyse, Tracking und Retargeting.

In Bezug auf Social Plugins spricht der EuGH von einer gemeinsamen Verantwortlichkeit von Webseitenbetreiber und Anbieter des Plugins. Jedoch existierten hierzu, wie Plutte in seinem Vortrag erläuterte, noch kaum Gerichtsurteile, weshalb die Rechtslage unklar – aber auch die Abmahngefahr eher gering – sei.

Sein Fazit: „Bleiben Sie auf dem aktuellen Stand, aber machen Sie sich nicht verrückt.“

„Pinterest Ads – geht das auch mit Performance?“

Pinterest: auch für viele Marketer noch die große Unbekannte unter den führenden Plattformen. Dass es sich lohnt, einen Teil des Ad-Budgets für Pinterest einzuplanen, zeigte Markus Schulze von Smartly.io anhand einiger Zahlen und Praxisbeispiele.

Markus Schulze (Smartly.io); Foto: ©Henry Tornow

Vor allem im E-Commerce liege kaut Schulze großes Potenzial, da der Erfolg sehr gut messbar sei. Insgesamt liege der Fokus eindeutig im B2C-Bereich, während es nur wenige erfolgreiche Beispiele aus dem B2B gebe. Eine der Stärken von Pinterest sei die kaufkräftige Zielgruppe, die zudem meist über ein konkretes Kaufinteresse verfüge.

Pinterest ist übrigens einer von vielen Kanälen, die sich mit dirico.io in einer zentralen Plattform verwalten lassen.

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Klickpreise und TKPs von Pinterest Ads – seit Februar 2019 in Deutschland verfügbar – seien aktuell im Vergleich mit anderen Plattformen noch sehr günstig. Als Erfolgsfaktoren für Kampagnen nannte Schulze den Einsatz von Video-Formaten und das Ausspielen relevanter Inhalte, die sich zwischen allgemeiner und personalisierter Werbung bewegen.

Auch im B2B wird die UX immer wichtiger

Beim folgenden Programmpunkt verschob sich der Fokus vom B2C- zum B2B-Geschäft. Sandra Elgaß von 247GRAD interviewte den Head of Digital von ZF TRW Aftermarket, Alexander Knorn. Als Fahrzeugteilehersteller liegt der Fokus im Business-to-Business, Ansprechpartner sind häufig Einkäufer bei Großhändlern, Einzelhändlern oder Werkstätten. Knorn betonte, dass es auch hier geboten sei, für die bestmögliche User bzw. Customer Experience in der Kommunikation, Bestellung und Kaufabwicklung zu sorgen: „Wir können unseren Kunden als Industrieunternehmen keine veralteten Technologien zumuten.“

Alexander Knorn (ZF TRW Aftermarket) und Sandra Elgaß (247GRAD); Foto: ©Henry Tornow

Employee Advocacy und Social Recruiting

Im Vortrag von Maren Kaspers (Team HR und Staffbase) verschob sich der Fokus auf Mitarbeiter und potenzielle Bewerber. Sie führte anhand vieler Beispiele die Möglichkeiten von TikTok und Jodel vor. Die chinesische Videoplattform sei vor allem für das Azubi-Marketing von Interesse. Die vergleichsweise sehr junge Zielgruppe sei bereit, ihren Arbeitsalltag – und zwar hauptsächlich positive Erlebnisse – in kurzen Videos zu teilen. Einige Arbeitgeber machen sich diesen Kanal bereits zunutze.

Jodel ist vor allem unter Studierenden verbreitet: 95% der Nutzer sind zwischen 18 und 26, 70% sind Studenten und 28% Young Professionals. Mit einer sogenannten digitalen Litfaßsäule können Unternehmen im Umkreis von 10 km um Nachwuchskräfte werben. Im Vergleich zu anderen Recruiting- und Werbe-Maßnahmen sei dieser Kanal sehr günstig und trotzdem erfolgversprechend.

Maren Kaspers (Team HR und Staffbase); Foto: ©Henry Tornow

Unabhängig vom Kanal sei es laut Kaspers wichtig, auf das Thema Employee Advocacy zu setzen. Wie die eigenen Mitarbeiter als Markenbotschafter eingesetzt werden können, zeigte sie am Beispiel der Kampagne #wofürALDIdafür des Lebensmittel-Discounters ALDI. Mit dem MERGE Cube hatte Kaspers außerdem ein AR-Tool dabei, das nicht nur als Kinderspielzeug, sondern in Zukunft auch vermehrt in Marketing und Unternehmenskommunikation zum Einsatz kommen könnte.

Ersetzen Chatbots bald den klassischen Online-Shop?

Geht es nach Martina Yazgan von Cognigy, könnte das User Interface eines Online-Shops in Zukunft lediglich aus einem Chatbot bestehen. Das Düsseldorfer Unternehmen beschäftigt sich mit der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Mensch-Maschine-Kommunikation, kurz Conversational AI.

Martina Yazgan (Cognigy); Foto: ©Henry Tornow

Heute – das räumte Yazgan ein – seien Chatbots auf vielen Webseiten nur ein Gimmick ohne echten Business Case. Dass das nicht so sein muss, zeigte sie anhand eines Use Cases: die Terminbestätigung eines Reparaturtermins bei einer Autowerkstatt. Über den Chatbot wurde der Termin gebucht, bestätigt und – spannend für Marketing und Sales – passende Zusatzservices angeboten. So lassen sich einfache Service-Anfragen für das Upselling nutzen.

„Gute Reise, lieber Kunde!“

Der nächste Vortrag tauchte sehr tief in das Thema Customer Journey Mapping ein. Prof. Dr. Matthias Gouthier von der Universität Koblenz-Landau skizzierte zunächst den Status quo: Eine Vielzahl an Kontaktpunkten stellt Unternehmen vor große Schwierigkeiten. Die Erwartungen der Kunden steigen. Außerdem projizieren sie gute Erfahrungen eins-zu-eins auf andere Unternehmen und Branchen. Zudem schätzten Studien zufolge Unternehmen die Qualität ihrer Serviceleistungen in der Regel deutlich besser ein als die Kunden.

Prof. Dr. Matthias Gouthier (Universität Koblenz-Landau); Foto: ©Henry Tornow

Nachdem Professor Gouthier modellhaft beschrieb, in welchen Phasen eine Customer Journey Map erstellt werden sollte, warnte er vor den zehn größten Fehlern in diesem Prozess: der fehlende Support des Managements, kein übergeordnetes CX/UX-Gremium, Silodenken, eine zu große Flughöhe, Nicht-Einbeziehung von Kunden, dezentrale Datenhaltung, ausbleibende Übertragung von Erkenntnissen in Prozesse, fehlende Botschafter, kein umfassendes Customer-Experience-Management und Stillstand statt Weiterentwicklung.

„Zero Friction Future“

Zum Abschluss des Tages lieferte Marcell Butor Einblicke in Konsumententrends bei Facebook, Instagram und WhatsApp. Die Infos kamen dabei aus erster Hand – Butor ist als Strategic Partner Manager bei Facebook in Dublin beschäftigt.

Marcell Butor (Facebook); Foto: ©Henry Tornow

Er zeigte an vielen Beispielen, dass es immer mehr darum gehen wird, eine hervorragende User Experience zu schaffen. Alle Hürden, Brüche und Stolpersteine müssten für den Kunden aus dem Weg geschafft werden. Bereits der erste Schritt ist alles andere als leicht. Denn nur 1,7 Sekunden hat ein Beitrag oder eine Anzeige im Feed Zeit, um die Aufmerksamkeit des Facebook-Users zu gewinnen. Ist dies geschafft und wurde der User sogar dazu gebracht, den beworbenen Artikel kaufen zu wollen, muss der folgende Prozess reibungslos funktionieren. Denn gerade in dieser Phase kommt es zu zahlreichen Abbrüchen aufgrund schlechter User Experience. Die Etablierung von reibungslosen Prozessen bezeichnete Butor als „Zero Friction Future“.

Seinen Vortrag schloss er mit den Worten: „Kreativität ist alles, was zählt.“ Er bezog sich dabei im engeren Sinne auf das Erstellen einer Instagram-Story. Allerdings lässt sich das Zitat auf alle Bereiche des Marketings und die Aufgaben von Marketern übertragen. Kreativer Content ist die Basis für erfolgreiches Marketing. Ohne eine fundierte Kampagnensteuerung bleibt er allerdings wirkungslos. Aber selbst in datengetriebenen Disziplinen wie dem Performance-Marketing hilft kreatives Denken dabei, immer neue Wege und Möglichkeiten zu finden.

Foto: ©Henry Tornow


Philipp Scherber

Der gebürtige Neuwieder kehrte nach 10 Jahren in Trier (Bachelor-Studium Geschichte und Medienwissenschaft) und Köln (Master-Studium Geschichte, Volontariat und stv. Chefredakteur BANKINGNEWS) zurück in die alte Heimat und ist seit November 2019 als Content Marketing Manager im Team von dirico.io.

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